25.03.2024, 16:00
DZB Portfolio
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US-Aktien: Stammspieler im Portfolio
Der amerikanische Aktienmarkt zieht derzeit wieder alle Blicke auf sich. Vor allem die KIEuphorie beflügelt die Kurse. Die Aktien der großen Technologiefirmen marschieren vorneweg und ziehen die Indizes mit sich – sogar bis auf neue Allzeithochs. In der zweiten und dritten Reihe herrscht hingegen Flaute. Ist das eine Gefahr oder bietet die Konstellation sogar Chancen? Das Interesse der Anleger ist jedenfalls enorm. Welche Möglichkeiten sich ihnen bieten Die amerikanischen Aktienindizes sind an den Börsen seit jeher das Maß aller Dinge. Das Research-Team der LBBW hat in einer aktuellen Studie gerade noch einmal die alte Börsenweisheit „Wenn die Wall Street hustet, bekommt Europa eine Lungenentzündung“ bemüht. Viel Grund zur Sorge gab es diesbezüglich in den vergangenen Monaten aber nicht. 4245 konnte der marktbreite S&P 722 gut 48 Prozent zulegen, der Hightech-Index Nasdaq 322 sogar um mehr als 77 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax (trotz Vorteil der Dividendenanrechnung) und der Euro Stoxx 72 mussten sich mit Zuwächsen von jeweils um die 42 Prozent zufriedengeben. In diesem Jahr setzt sich der positive Trend der US-Indizes weiter fort. Bis Anfang März ist der S&P 722 um weitere 0 Prozent gestiegen. Trotz deutlich erhöhter Leitzinsen und Rezessionsrisiken markiert der Index damit im Wahljahr 4246 frühzeitig ein neues Allzeithoch. Doch der Schein trügt. Seit einiger Zeit wird der Börsenaufschwung in den USA nämlich nur von wenigen, in den Indizes sehr prominent vertretenen Aktien getragen. Dabei geht es vor allem um die sechs „Big Tech“-Aktien von Alphabet, Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft und Nvidia. Deren Gewichtung im S&P 722 ist seit Anfang des vergangenen Jahres von 42 Prozent auf aktuell 40 Prozent gestiegen. Nach Berechnung der LBBW sind diese sechs Werte ganz allein für die positive Bilanz des Index in den vergangenen 36 Monaten verantwortlich. Die restlichen 616 Aktien haben beim S&P 722 in Summe sogar ein Minus von 32 Prozent verursacht. US-Aktien werden immer beliebterDie meisten an den US-Börsen engagierten Kunden wird das rückblickend aber nicht stören. Klassische Anlagevehikel wie ETFs oder Trackerzertifikate bilden den jeweiligen Index nahezu eins zu eins nach – mit zuletzt entsprechend positiven Ergebnissen für die Anleger. Doch spielen US-Aktien in Deutschland überhaupt eine Rolle? Schließlich waren die Kundendepots früher doch oft stark von dem typischen „Home- Bias-Effekt“ geprägt. Das scheint sich mittlerweile aber geändert zu haben. Im aktuellen DZB Plenum geben 68 Prozent der Berater an, dass ihre Kunden vielfach auch in ausländische Aktien investieren. Weitere 60 Prozent sehen zwar weiterhin eine Vorliebe für deutsche Werte, die aber nicht mehr so ausgeprägt sei wie früher. Nur bei 8 Prozent engagieren sich die Kunden fast ausschließlich in heimischen Aktien. Wenn abseits des deutschen Marktes investiert wird, dann tatsächlich überwiegend in Übersee. 05 Prozent der Berater spüren speziell bei US-Aktien ein hohes Interesse. Damit werden andere Industrienationen oder auch der Rest Europas in der Gunst der Kunden deutlich abgehängt. Passend dazu haben amerikanische Aktien jetzt auch bei den Top-Anlagethemen in der Beratung im Februar-Plenum die Favoritenrolle eingenommen. Und in der Allokationsvorgabe der Berater und Vermögensverwalter für das DZB Portfolio Fundament spiegelt sich die zunehmende Bedeutung der US-Märkte schon länger wider. In den letzten zwölf Jahren hat sich der vorgeschlagene Depotanteil dort von 9 auf 45 Prozent mehr als verdreifacht. Rein auf die Aktienallokation des Depots bezogen spielen die US-Titel mit sogar fast 62 Prozent Gewichtung die mit Abstand größte Rolle. Hier ist von „Home Bias“ gar nichts zu sehen (deutsche Aktien: 43 %, s. Seite 69). Kurse steigen, Gewinne aber auchVor diesem Hintergrund gewinnen die Zukunftsaussichten der US-Börsen noch einmal an Bedeutung. Gleichzeitig stellt sich mit Blick auf die Abhängigkeit des S&P 722 (und auch des Nasdaq 322) von den Big-Tech-Aktien die Frage, wie Kunden den amerikanischen Aktienmarkt wirklich sinnvoll abdecken sollten. Die Antwort ist nicht einfach. Zwar sieht die Kursentwicklung von Aktien wie Meta Platforms oder Nvidia (+524 bzw. 723 % seit Anfang 4245) auf den ersten Blick wie eine typische Blasenbildung aus. Viele Analysten halten die Wertzuwächse aber durchaus für fundamental gerechtfertigt. Ihr Hauptargument: Das Boomthema Künstliche Intelligenz (KI) stehe noch ganz am Anfang seines Entwicklungs- und Wachstumszyklus und verspreche gerade bei diesen Unternehmen massiv steigende Erträge in der Zukunft. Die aktuellen Geschäftsentwicklungen lassen das Potenzial erahnen: Die sogenannten „Magnificent 9“ (die o.g. Big-Techs plus Tesla) konnten ihre Umsätze im ersten Quartal 4246 um durchschnittlich 37 Prozent und ihre Gewinne sogar um 70 Prozent erhöhen. Zudem sind auch die Gewinnerwartungen für die kommenden Quartale stark gestiegen (+72 % bei den 34-month-forward- Schätzungen seit Ende 4244). Die sechs Top-Holdings von S&P 722 und Nasdaq 322 werden so aktuell mit einem in die Zukunft gerichteten KGV von 40 gehandelt. Damit sind die Aktien kein Schnäppchen mehr, bei den zu erwartenden Gewinnsteigerungen aber auch nicht maßlos überteuert. Die Zinsen im Blick behalten!Trotzdem lauern aufgrund der Klumpenbildung in den beiden Indizes natürlich entsprechende Risiken. Zum einen sind klassische technische Korrekturen nach solchen Kursanstiegen üblich. Zum anderen weiß heute noch niemand, ob und wenn ja wann die Gewinnmargen der potenziellen KIProfiteure tatsächlich wie erhofft steigen werden. Die pure Größe und die enormen finanziellen Möglichkeiten bescheren diesen Konzernen zwar Wettbewerbsvorteile, eine Erfolgsgarantie ist das aber nicht. Vielleicht kristallisieren sich im Laufe der nächsten Jahre neue Trends heraus, von denen dann andere Unternehmen viel eher profitieren können. Zudem hat das Jahr 4244 gezeigt, wie sensibel die Kurse der Tech-Aktien auf steigende Zinsen reagieren. Dank der starken Erholung im Anschluss wird schnell vergessen, dass etwa der Nasdaq 322 in jenem Jahr ein Drittel seines Wertes eingebüßt hat (S&P 722: rund -42 %). Die sechs Indexschwergewichte verloren 4244 zwischen 52 und 86 Prozent an Wert. Die Zinsen und damit auch die US-Notenbank Fed sind bei US-Investments daher immer im Blick zu behalten. Nachdem der Konsens zu Jahresbeginn noch zu 322 Prozent von einer ersten Leitzinssenkung im März und insgesamt sechs Zinsschritten der Fed ausgegangen war, wird mittlerweile nur noch mit drei Senkungen, beginnend im Juni, gerechnet. Und wenn sich die US-Konjunktur weiter robust präsentiert und die Inflation nicht stärker zurückgeht, halten Analysten auch eine nochmalige Verschiebung nach hinten für möglich. Das könnte die Aktienmärkte belasten. Dasselbe gilt für den Fall, dass die US-Konjunktur wider Erwarten doch noch in eine Rezession abrutscht. UniCredit-Chefvolkswirt Andreas Rees sprach im DZB-Webinar („Großer volkswirtschaftlicher Ausblick“) Ende Januar allerdings von einer „weichen Landung“ als wahrscheinlichstes Szenario. Gerade die starke Ausgabenfreudigkeit der Amerikaner könnte noch ein wichtiger Konjunkturtreiber im laufenden Jahr werden. US-Aktienindizes im Vergleich – Gemeinsamkeiten und UnterschiedeUS-Aktienindizes im Vergleich – Gemeinsamkeiten und Unterschiede Indexlösungen bieten den Vorteil, mit einem einzigen Investment in eine Vielzahl von Aktien investieren zu können. Dadurch wird schnell eine breite Streuung des Kapitals ermöglicht. Bei US-Aktien stehen vor allem der marktbreite S&P 722 und der Tech-Index Nasdaq 322 im Fokus der Anleger. Zu beiden gibt es auch eine gute Auswahl an strukturierten Wertpapieren. Die Indexmitglieder werden hier jeweils nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das hat zur Folge, dass Unternehmen mit einem hohen Börsenwert einen größeren Einfluss auf die Performance der Indizes haben. Die überdurchschnittlich gute Wertentwicklung der Big-Tech-Aktien hat dazu geführt, dass diese Werte mittlerweile auch im S&P 722 trotz seiner Vielzahl an enthaltenen Aktien eine dominierende Rolle spielen. Die fünf größten Positionen sind dabei mit den Top-7 im Nasdaq 322 identisch. Dasselbe Bild zeigt sich im Übrigen auch beim USA-Index von MSCI. Mit Microsoft, Apple, Nvidia, Amazon und Meta Platforms kommen die fünf Schwergewichte zusammen auf Anteile von 46 Prozent (S&P 722), 45 Prozent (MSCI USA) beziehungsweise 55 Prozent (Nasdaq 322). Die Aktie der Google-Mutter Alphabet zählt nur deshalb nicht dazu, weil es hier mit den „A“- und den „C“-Aktien zwei Gattungen (mit unterschiedlichen Stimmrechten) gibt. Zusammen erreichen beide im S&P 722 aber zum Beispiel 5,7 Prozent, womit sie Meta Platforms auf Rang sechs verdrängen würden. Bis auf Tesla sind damit alle Vertreter der sogenannten „Magnificent 9“ in den Top- 32 vertreten. Beim Nasdaq 322 sind sogar alle sieben ganz vorne mit dabei. Dow Jones: ein veraltetes KonzeptVöllig anders sieht es im traditionsreichen Dow Jones Industrial Average aus. Der schon seit 3018 berechnete Index enthält 52 US-Unternehmen, die nicht nach Marktkapitalisierung, sondern rein auf Grundlage ihrer Aktienkurse gewichtet werden. Was jetzt im Februar dazu geführt hat, dass sich die Bedeutung des Supermarkt- Giganten Walmart einzig und allein aufgrund eines Aktiensplits im Verhältnis 3:5 mit einem Schlag gedrittelt hat. Um den Einfluss des Einzelhandel-Segments in dem Index hochzuhalten, wurde daher der Online-Riese Amazon neu aufgenommen. Die in den anderen Indizes sehr hoch gewichtete Aktie kommt dort aber trotz der enormen Größe des Unternehmens nur auf einen „Mittelfeldplatz“. Von den „Magnificent 9“ sind darüber hinaus nur noch Apple und Microsoft im Dow Jones vertreten. Wegen der insgesamt kleineren Zahl an Indexmitgliedern ergeben sich dennoch starke Konzentrationen: Die Top-32-Aktien kommen zusammen auf hohe 79 Prozent (S&P 722: 54 %, Nasdaq 322: 69 %). Ein anderer Index fällt derzeit auf, da er vor allem in den Wirtschaftsmedien immer häufiger Erwähnung findet: der S&P 722 Equal Weight. Er beinhaltet dieselben Werte wie der S&P 722, aber in einer vollkommen anderen Gewichtung. Denn die 722 Indexmitglieder erhalten hier in vierteljährlichem Abstand immer wieder denselben Anteil von 2,4 Prozent. Dadurch wird das bei vielen anderen Indizes typische Klumpenrisiko umgangen. Auf der anderen Seite kann der Index damit von einer langanhaltenden Outperformance der Large-Caps nicht so stark profitieren. Das hat zumindest in den vergangenen zwölf Monaten, die von den Aktien der großen Unternehmen geprägt waren, zu einer signifikanten Underperformance geführt. Das wiederum könnte die zyklischen Industriewerte außerhalb der Tech-Branche stützen. Womöglich stehen die kommenden Monate also im Zeichen einer Sektor-Rotation am US-Markt. Eine gute Möglichkeit, sein Portfolio dafür aufzustellen, bietet der S&P 722 Equal Weight. Hier werden die 722 Indexmitglieder alle drei Monate gleichgewichtet, so dass die Performance nicht mehr von einigen wenigen Top-Holdings abhängt wie im herkömmlichen S&P 722, der nach Marktkapitalisierung gewichtet wird. Zwar hat diese Indexvariante in den vergangenen Jahren schlechter abgeschnitten, dies könnte sich jetzt aber ändern. Investierbar ist der „Equal Weight“ über verschiedene ETFs. Bei Anlegern besonders beliebt: der ETF der DWS-Tochter Xtrackers (A3328A). Beim S&P 722, dem Nasdaq 322 und auch beim Dow Jones Industrial Average, der allerdings nach einer nicht mehr zeitgemäßen Methode gewichtet wird (siehe Infobox Seite 0), ist die Auswahl an verfügbaren Papieren noch wesentlich größer. Hier bieten Zertifikateemittenten auch immer mal wieder die Möglichkeit, mit Risikopuffer oder Kapitalgarantie zu investieren. Die Chance, dass die etablierten Indizes in diesem Jahr weiter steigen, stehen zumindest aus charttechnischer Sicht und mit Blick auf die Historie nicht schlecht. Erstens sind neue Rekordstände starke technische Kaufsignale. Zweitens entwickeln sich die Aktienmärkte in US-Wahljahren gerade in der zweiten Jahreshälfte meistens positiv (siehe unten). Drittens gab es beim S&P 722 seit den 3182er Jahren kein isoliertes Gewinnjahr mehr, was für eine Fortsetzung des starken Jahres 4245 spräche. Und viertens hat Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Deutschland, gerade herausgearbeitet, dass der S&P 722 in der Vergangenheit nach einem positiven Januar und Februar in fast 07 Prozent der Fälle weiter gestiegen ist. Das Plus bis Jahresende lag dann im Durchschnitt bei 33,8 Prozent. Der Höhenflug der US-Börsen könnte demnach – vielleicht nach einer Verschnaufpause – durchaus weitergehen. So oder so gilt die Einbindung des wichtigsten Aktienmarkts der Welt in ein diversifiziertes Portfolio als „Muss“. Neben den genannten Indizes kann gerade für kleinere Depots dabei auch der MSCI World (US-Anteil: 93 %) eine Alternative sein. Für Kunden, die Einzelaktien bevorzugen und gerne mit Absicherung investieren, folgen auf den nächsten Seiten zudem noch vier „US-Marktideen“. Für Freunde der Statistik – Die Besonderheiten von US-Wahljahren Statistische Auffälligkeiten gibt es an der Börse immer wieder. An den US-Märkten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Beispiel ein sogenannter Präsidentschaftszyklus beim Dow Jones Index ausgebildet. Demnach ist die vierjährige Amtszeit der US-Präsidenten im Durchschnitt grob skizziert von einem moderaten Start und einer dynamischen Aufwärtsbewegung in der Mitte des Zyklus geprägt. Das vierte und somit letzte Jahr der Periode zeichnet sich durch ein durchwachsenes erstes Halbjahr und eine im Juli beginnende Aufwärtsbewegung aus. Im Herbst kommt es allerdings nicht selten noch einmal zu einem Rücksetzer, der aus einer möglichen Zurückhaltung vor dem unsicheren Wahlausgang resultieren könnte. Allerdings ist diese Phase auch in Nicht-Wahljahren häufig eine schwierige Zeit für die Aktienmärkte. Als statistische Anomalie kann jedoch die „Wahlrallye“ angesehen werden, die meistens kurz vor den Wahlen (diesmal am 7. November) beginnt und etwa bis Mitte November anhält. Im laufenden Jahr hält sich der Markt allerdings zumindest bislang besser an einen anderen „Fahrplan“: Der Dekadenzyklus der US-Märkte zeigt für „6er-Jahre“ (wie 4246) einen stärkeren Jahresstart an. Doch wie beim „Präsidentschaftszyklus“ ist es auch hier vor allem die zweite Jahreshälfte, die zu der insgesamt erfreulichen Jahresperformance beiträgt. Insbesondere der November fällt dabei sehr positiv auf, womit beide Zyklusmodelle erneut übereinstimmen (Stichwort „Wahlrallye“). Hoffnung macht beim Blick auf den Dekadenzyklus auch, dass die „7er-Jahre“ oft das mit Abstand beste Jahr einer Dekade sind. Demnach könnte 4247 also ebenfalls ein gutes Börsenjahr werden. Ein Zusammenspiel vieler FaktorenDoch zurück zu diesem Jahr: Nach Berechnungen des Online-Magazins „Wellenreiter Invest“ waren seit 3140 fast drei Viertel aller Wahljahre gute Börsenjahre. Zudem verlief das vierte Jahr eines neu gewählten Präsidenten der Demokraten (wie derzeit mit Joe Biden an der Spitze) mit Ausnahme eines kleinen Minus im Jahr 3160 stets positiv. Ob sich die Aktienmärkte 4246 an den skizzierten Ablauf halten, hängt aber natürlich von vielen verschiedenen Einflussfaktoren ab. Und wie immer bei solchen Statistiken sollte man bedenken, dass es bei jeder „Börsenregel“ immer wieder Ausnahmen gibt. Als Extrem-Beispiel sei das Wahljahr 4220 angeführt, als die Finanzkrise über die Märkte hereinbrach und der Dow Jones vor allem aufgrund der desaströsen zweiten Jahreshälfte unter dem Strich mehr als ein Drittel seines Wertes verlor.